schmidt, gunther / WORKSHOP / 25.04.2019


Workshop 8: "Von der „Psychosomatik“ zur Kompetenz-aktivierenden „Somato-Psycho-Systemik - hypnosystemische Konzepte für die Gestaltung von würdigenden Resilienz- und Gesundungsprozessen, internal-individuell und interaktionell in Organisationen."

Wenn Menschen an körperlichen Beschwerden leiden, für die keine medizinisch erklärbaren körperlichen Befunde erhoben werden können, bekommen Betroffene meist die Diagnose „psychosomatisch“ mit der Erklärung, für ihre Beschwerden gäbe es psychische „Ursachen“. Die meisten Betroffenen haben aber selbst ein somatisches Erklärungskonzept und erleben diese Zuschreibung als abwertend und bedrohlich. Dann machen ihnen „psychotherapeutische“ Interventionen zunächst gar keinen Sinn, eher gehen sie gegen als Bedrohungen erlebte Psychotherapie in Widerstand, der dann wieder von professionellen Helfer*innen als Teil ihrer Probleme bzw. Pathologie bewertet wird, oder sie vermeiden sie. 

Außerdem werden solche Beschwerden immer unwillkürlich erzeugt, ohne bewusst erlebbare selbstwirksame Einflussmöglichkeiten. Betroffene erleben sich ihnen hilflos ausgeliefert und gehen typischerweise davon aus, dass nur Fremdmaßnahmen (Medikamente, sonstige medizinische Maßnahmen von außen) helfen können.

Wie die Ergebnisse der modernen Hirn- und Embodiment-Forschung belegen, wird Erleben immer individuell-internal in autonomer Selbstorganisation (Autopoiese) erzeugt, unwillkürlich und dabei zum größten Teil unbewusst. Um selbstwirksame, Gesundheit fördernde Einflussnahme darauf zu erlangen, braucht man ein systematisches Wissen darüber, wie solche unwillkürlichen Prozesse organisiert und vor allem, wie sie zieldienlich beeinflussbar werden. Die modernen systemischen Konzepte bieten zwar ein gutes Repertoire dafür, wie man interaktionelle Wechselwirkungen optimal gestalten kann und auch einzelne Interventionen für internale Prozesse, aber viel zu wenig, um systematisch unwillkürliche Prozesse in gewünschter Weise anzuregen. 

Für gelingende Kooperation wird es daher zentral, 
a) die Betroffenen würdigend mit ihren eigenen Erklärungsmodellen für ihre Probleme zu akzeptieren, 
b) ihnen auf dieser Basis plausible Modelle anbieten zu können, welche ihnen Psychotherapie für ihre (ja nur als körperlich erlebten) als sinnvolle, hilfreiche Maßnahmen verstehbar macht und ihnen Chancen für selbstwirksame Verbesserungsmöglichkeiten prüfbar zugänglich macht und c) systematische Strategien verfügbar zu machen, mit denen auch die Organisations-Systeme von Betroffenen optimal Gesundheitsförderlich gestaltet werden können.

 

Das hypnosystemische Modell welches die systemischen Konzepte mit den Modellen der Erickson´schen Hypnotherapie, mit diversen damit kompatiblen nonverbalen Interventionsmethoden und den Erkenntnissen der modernen Neurobiologie zu einem Kompetenz-aktivierenden Integrationsmodell verbindet, bietet all dies in sehr umfangreicher Weise. 
Im Workshop wird mit ihm differenziert vermittelt:

• wie man würdigend (Pacing) und gleichzeitig Kompetenz-fokussierend an die bisherigen Weltsichten von Betroffenen und deren Angehörigen „ankoppeln“ und für die Menschen Sinn machende Kooperation aufbauen kann;

• wie man ihnen für sie plausible Strategien anbieten kann, die es ihnen ermöglichen, zu verstehen, wie unwillkürliche (und bisher unbewusste) Prozesse ablaufen und Erleben autopoietisch erzeugt wird (sowohl Problem- als auch Lösungs-Prozesse) und gezielt beeinflussbar gemacht werden können (internale autonome Gestaltungsmöglichkeiten);

• wie man daraus schnell und nachhaltig selbstwirksam heilsame Interventionen für gesündere Entwicklungen aufbauen kann;

• wie Beschwerden übersetzt und nutzbar gemacht werden können als wertvolle, kompetente „Botschafter aus dem Unbewussten“ für Gesundheitsförderliche Bedürfnisse (Utilisation);

• wie bisher unbewusste Problem-Auslöse-Reize zu Lösungsförderlichen Impulsen transformiert werden können;

• wie auch eigene Interaktionsbeiträge in Beziehungen zu anderen so gestaltet werden können, dass die Chancen für selbstwirksamen Gesundheits-Kompetenzen und für wechselseitige Resilienz-Stärkung deutlich verbessert werden können;

• wie man auch Feedback-Prozesse (von innen oder in Interaktionen von außen), welche bisher wieder zur Reaktivierung von Problem-Erleben führten, zu weiteren Gesundheitsförderlichen Chancen machen kann.

• wie die sozialen Systeme, in denen sich Betroffene bewegen- also ihre Lebensumwelt (nicht nur Familien, sondern auch z.B. Teams und Organisationen), als Kompetenz-aktivierende „Fokussierungs-Räume“ systematisch aufgebaut werden können. Dafür wird z.B. auch das sysTelios-Gesundheitszentrum, welches der Referent leitet, als Beispiel-Modell genutzt.

 

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