schiepek, günther


Workshop 19: Faszination der systemischen Therapie

Gefragt nach der Faszination der systemischen Therapie lautet meine Gegenfrage: Welcher systemischen Therapie? Bezieht man sich auf den aktuellen Stand der Psychotherapieforschung, findet man kaum mehr ein Argument, das für die Fortsetzung der bisherigen Therapieschulen spricht. Zudem scheint die Personalisierung und Individualisierung des therapeutischen Vorgehens nicht nur angesagt, sondern auch sinnvoll zu sein – nach den bisherigen Orientierungen an Schulen und an Störungsbildern. Genau hier setzt die Faszination an, jenseits der Therapieschulen und störungsbild-zentrierter Konzepte. Hier hat das systemische Paradigma seine Stärken.

Dargestellt wird, warum und in welcher Weise der Ansatz der nichtlinearen komplexen Systeme für die Psychotherapie als Paradigma zu verstehen ist und zu einer Integration der Schulen beitragen kann. Dies betrifft die Meta-Theorie, die konkrete Theoriebildung (Modellierung und Erklärung von Veränderungsprozessen), Outcome- und Prozessforschung, Evaluation, Prozessmonitoring und Prozesssteuerung, das Vorgehen der Fallkonzeption, die Schlüsselkompetenzen von Therapeuten (Systemkompetenz), schließlich die Verschränkung von praxisnaher Forschung und forschender Praxis. Auch sollte verständlich werden, in welcher Weise es sich um ein bio-psycho-soziales Mehrebenen-Konzept handelt.

Vorgestellt werden die praktischen Konsequenzen des systemischen Paradigmas im Bereich von Fallkonzeption (idiographische Systemmodellierung), Prozessmonitoring und Prozessfeedback, sowie kriteriengeleiteter kooperativer Prozesssteuerung (generische Prinzipien). 

 

Referent: o.Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. phil. habil. Günter Schiepek. Studium der Psychologie in Salzburg (Promotion 1984), Habilitation für Psychologie in Bamberg (1990). Leiter des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Professor an der der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gastprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und an der Donau-Universität Krems. Geschäftsführer des Center for Complex Systems (Stuttgart/Salzburg). Mitglied und Senatsmitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Academia Scientiarium et Artium Europaea). Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft (Deutscher Dachverband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung). Mitglied des wissenschaftlichen Direktoriums der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für integrative Wissenschaft. Lehrtherapeut für Systemische Therapie (DGSF). Fellow des Mind Force Institute, Sapienza University, Rome. Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Arbeitsschwerpunkte: Synergetik und Dynamik nichtlinearer Systeme in Psychologie, Management und in den Neurowissenschaften. Prozess-Outcome-Forschung in der Psychotherapie. Neurobiologie der Psychotherapie. Real-Time Monitoring in verschiedenen Anwendungsfeldern. Sozialpsychologie. Management. Kompetenzforschung.

Wissenschaftlicher Beirat zahlreicher Institute, Verbände und Fachzeitschriften. Autor oder Herausgeber von 25 Büchern. Etwa 250 internationale und deutschsprachige Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern. 

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